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Splitter (F/R)

Splitter

Schizophrenie, dachte Farin spöttisch, wurde überbewertet. Schizophren sein, das konnten viele. Da war nichts allzu besonderes dran. Zersplitterte Menschen waren so vorhersehbar, so langweilig.

Viel unterhaltsamer war es, ganz zu sein und nur so zu tun als ob. Es machte das ganze Spiel noch viel interessanter.

 

Und im Verstellen, im ‚Zersplittert sein’ hatte Farin inzwischen meisterhafte Künste erreicht.

Jan Vetter und Farin Urlaub. Sogar Bela, der es ja eigentlich besser wissen müsste, glaubte, dass Farin eine Erfindung Jans war. Eine Art…Kompensation um seine Träume ausleben zu können. Die Verkörperung des freudschen ‚ES’. Sozusagen. Als ob Farin es je nötig gehabt hätte, sich zu zersplittern, um zu kriegen was er wollte.

Niemand kam darauf, dass es genau andersherum sein könnte- und auch so war. Noch nie war jemand auf diesen, bei genauer Betrachtung, doch naheliegenden Gedanken gekommen. Dabei hatte Farin schon früh festgestellt, dass er Menschen nicht besonders mochte. Sie waren laut und dumm. Genau wie die meisten anderen Dinge. Sie störten. Farin hatte damals Spaß daran gehabt…Störfaktoren zu entfernen. Er hatte einen enormen Verschleiß an Haustieren gehabt, weil seine Mutter einfach nicht verstehen konnte, wieso eine Katze, ein Hund, ein Tier nach dem anderen einfach…verschwand.

Selbst als sie die kleine Feuerstelle hinter dem Haus fand. Die älteren Nachbarskinder waren in ziemliche Schwierigkeiten gekommen.

Denn niemand glaubte, dass ein Fünfjähriger zu so etwas in der Lage war. Und das war praktisch genug, um Farin darauf zu bringen, dass es recht nützlich sein konnte, unterschätzt zu werden.

 

Und so begann er, ‚Jan’ zu schaffen. Und niemand schöpfte Verdacht. Niemals. Immerhin war ‚Jan’ ein Engel. Freundlich, klug und zurückhaltend. Mi diesem weichen, blondem Haar und den freundlichen Augen.

 

Und die Dinge gerieten ins Rollen. ‚Jan’ wurde älter, durchlebte die typische, rebellische Phase – sie nicht zu erleben hätte für Aufmerksamkeit gesorgt – lernte Bela kennen. Gründete mit ihm eine Band. Löste sie wieder auf. Gründete sie wieder. Währenddessen wurden Farins Spiele erwachsener, aufregender, subtiler und immer zerstörerischer.

 

Später lernte Farin schließlich Rodrigo kennen. Und das Spiel näherte sich dem Höhepunkt.

Es war einfach gewesen, dafür zu sorgen dass Rodrigo sich hoffnungslos in ‚Jan’ verliebte. Es dauerte nicht lange, und er war ihm so verfallen, dass er sich von Farin behandeln ließ wie Dreck, nur um fünf Minuten lang Zugang zu ‚Jan’ zu haben. Rodrigo glaubte fest an die zersplitterte Persönlichkeit, an den guten, engelsgleichen, sanften ‚Jan’, der von dem bösen, teuflischen, brutalen Farin terrorisiert wurde.

 

Was er nicht wusste, war dies:

Farin warf vor jedem Treffen mit Rodrigo eine Münze. Bekam er ‚Jan’ zu sehen oder nicht? Würde Farin ihn benutzen und dann liegen lassen oder würde er ihm fünf tränenreiche, kitschige Minuten schenken? Er durfte es nicht zu früh zu weit treiben. Würde er zu weit gehen, würde er Rodrigo verschrecken. Und das wäre doch nur der halbe Spaß.

Rodrigo machte sich nämlich Hoffnungen. Er nährte in sich die naive, regelrecht märchenhafte Vorstellung Jan eines Tages vom bösen, bösen Farin zu befreien und wahrscheinlich mit ihm in den Sonnenuntergang zu reiten.

 

Farin wurde schon schlecht, wenn er nur daran dachte.

 

Er wartete ungeduldig auf den Tag, an dem er Rodrigo die Illusion schließlich schenken würde- um ihn dann restlich zu zerstören. An diesem Tag wäre das Spiel zu Ende. Aber noch machte es zuviel Spaß. Noch war es lustig, zuzusehen wie Rodrigos Augen sich mit Tränen füllten, sobald ‚Jan’ verschwand. Und gleichzeitig merkte Farin, wenn auch ein wenig irritiert, dass Rodrigos Liebe zu ‚Jan’ nicht stagnierte, nicht das Maß hielt oder sogar absackte, abflaute, sondern immer stärker wurde.

 

Rodrigo hatte ein starkes Herz, das musste man ihm lassen. Farin hatte lange auf ihn einhämmern müssen, bildlich gesprochen, bevor sich ein kleiner Riss aus Schmerz und Furcht und Zweifel zeigte. Seitdem arbeitete er mit unendlicher Sorgfalt daran, diesen Riss zu verbreitern und zu vertiefen. Ab und zu kittete er auch ein wenig. Um den Spaß herauszuzögern.

Er wollte ihn schließlich so sehr zersplittern sehen, dass niemand ihn mehr reparieren könnte. Und da musste er vorsichtig und gründlich zu Werke gehen. Rodrigo sollte vollkommen vernichtet sein. So sehr, dass der Tod wie ein Gnadenakt aussehen würde. Ein Gnadenakt, der ihm natürlich verwehrt bleiben würde. Denn niemand spielte mit Farins Sachen. Erst Recht nicht nachdem er mit ihnen fertig war. Es würde ein schöner Triumph werden, dieses Spiel zu gewinnen, wie all die anderen vorher. Rodrigo wäre sein Meisterstück. Zersplittert, dass keine Liebe der Welt ihn reparieren könnte. Zerstört und gebrochen, zu Farins Füßen liegend. Bettelnd. Und Farin könnte ihn verlassen, mit dem beruhigenden Gefühl im Bauch, einen sehr guten Job gemacht zu haben. Und er könnte sich ein neues Spielzeug suchen.

 

Vielleicht wäre es dann an der Zeit, sich Bela vorzunehmen. Rodrigo würde sich wahrscheinlich absetzen, vielleicht umbringen. Oder es zumindest versuchen. Beides war schon häufiger nach dem Spiel vorgekommen. Farin konnte es sich bereits vorstellen, Rodrigo in der geschlossenen Psychiatrie zu besuchen, natürlich als ‚Jan’. Die Vorstellung, Rodrigos panisches, tränenüberströmtes Gesicht zu sehen, bevor er ihn schreien hören würde. Und dann zuzusehen, wie seine Angst betäubt wurde und ihn so noch hilfloser machte.

 

Das Mitleid, dass Bela mit dem armen ‚Jan’ haben würde, der schon wieder verlassen worden war, würde ihm den Eröffnungszug für das nächste Spiel anbieten.

 

Immerhin…jeder brauchte ein Hobby.

7.1.09 19:39





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